Über Menschen
Bracken - brandenburgisches Dorf, mitten im Nirgendwo. Genau dorthin zieht es Dora mit Ihrem Hund, um dem Alltagstrott, Lärm und Stress der Großstadt zu entfliehen. Wovor Sie genau flüchtet und was Dora sich von der Provinz verspricht, ist ihr selbst nicht so klar. Dass die vermeintlich ländliche Idylle alles andere als ruhig und beschaulich anmutet, erkennt Dora schnell, spätestens als sich ihr der breitschultrige, glatzköpfige Nachbar vorstellt. Gote scheint also alle Klischees zu erfüllen, oder etwa doch nicht und wenn ja, wofür eigentlich!? Dora erkennt auch bei den Menschen aus ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, wie schnell man sich ein Urteil gebildet und eine Person eingeordnet hat, ohne diese zu kennen, geschweige denn mit ihr gesprochen zu haben. Das Gefühl diese Verhalten als eigenartig, skurril, schlichtweg anders zu interpretieren lässt sie dennoch nicht los. Erst als Dora sich den Menschen aus ihrer unmittelbaren Gegenwart annähert, zaghaft öffnet und merkt, wie häufig sie auf deren Hilfe angewiesen ist, bekommt die Fassade erste Risse und die Wahrnehmung wandelt sich. Juli Zeh berichtet aus einem Dorf Mitten im Nirgendwo und dennoch aus der Mitte der Gesellschaft. Ein Roman über eine Gesellschaft mit großen Unterschieden, vorschnellen Vorurteilen, diversen Sorgen und Ängsten und eine Gesellschaft, die nicht nur in Bracken, diesem kleinen Dorf mitten im Nirgendwo, droht abgehängt und vergessen zu werden.
Tief bewegend, nachdenklich stimmend, brisant und hoch aktuell.
Gelesen von Maurice Prümm