Deadline
Es gibt einen neuen Verlag auf der Verlagsbühne: Den kanon – Verlag. Ein kleiner, unabhängiger Verlag aus Berlin mit besonderen Texten und schön gestalteten, hochwertigen Büchern.
Ein solches Buch ist auch „Deadline“ von Bov Bjerg. Diesen Autor kennen Sie, liebe Lesende, bereits von seinem Bestseller „Auerhaus“ was mir auch schon soo gut gefallen hat und sein Roman „Serpentinen“.
„Deadline“ ist das Erstlingswerk von Bjerg und war längere Zeit nicht lieferbar und davor nur in kleiner Stückzahl verkauft, weil die Auflage damals tragischerweise in einer Lagerhalle verbrannt ist.
Im kleinen kanon-Verlag erscheint es nun neu und hier ist mein Eindruck:
Es geht um Paula, Ende dreißig, die in den USA lebt, aber nun zurück nach Frankfurt kommt, um dort das Grab ihres Vaters aufzulösen. Ihr Leben in den Staaten ist klar geregt. Sie arbeitet als Übersetzerin für Gebrauchsanweisungen und man merkt beim Lesen des Buches, dass die Ich-Erzählerin sich sehr gut mit den Materialien auskennt, die sie in ihren Übersetzungen beschreibt. Synonyme und einzelne Überlegungen über verwendete Wörter liest man und es ist immer spannend zu verfolgen, welche Wörter doch ähnlich klingen, ähnliche Dinge bedeuten, aber dann doch anders interpretiert werden können.
Die Geschichte und das schmale Bändchen sind schnell gelesen. Manchmal witzig, manchmal melancholisch und manchmal zum Kopfschütteln – immer mit viel Sinn und Poesie zur Sprache. Lesen Sie selbst!
Und hier ein kleines Beispiel: „Kurze Rast, nur kurz, ganz kurze Rast. Vorn das leere Pflaster, versetzte Klinkerbänder, quer über den Bürgersteig. Die Steine dunkel feucht. In den Ritzen Schaum. Der Gehweg war gerade erst mit Seifenlauge abgespritzt worden.
Rechts Fassaden. Ich wischte einen Ziegelabriebstrich von der Hartschale (dunkelsilber) des Hartschalenkoffers. Ein weiterer weißer Kratzer. Der fiel kaum auf. Die Hartschale, die nicht sehr hart war, war mit weißen (Talkum) Strichen gemustert.
Für Sie gelesen von Katja Rohles