Die Beichte einer Nacht
Dieses Buch ist eine wirklich packende Wiederentdeckung aus den 1930-er Jahren. Die Autorin Marianne Philips, geboren 1886 in Amsterdam war Politikerin, Schriftstellerin und Mutter von drei Kindern. Sie wuchs nach dem Tod ihres Vaters in ärmlichen Verhältnissen auf. Als auch noch die Mutter starb, war sie als Vierzehnjährige für ihre jüngeren Halbgeschwister verantwortlich und entdeckte zugleich ihr Talent zum Schreiben. Sie kannte also das Leben der Leute, für die sie sich später als aktive Sozialdemokratin einsetzte aus eigener Erfahrung. Wie ihre Erzählerin Heleen verstand Marianne Philips sich als moderne, selbstständige Frau. Sie hielt im ganzen Land Vorträge und zog 1919 als eine der ersten Frauen in einen niederländischen Gemeinderat ein, durfte ab 1940 als Jüdin nicht mehr publizieren und starb 1951 nach schwerer, langer Krankheit. In „Die Beichte einer Nacht“ lässt sie ihre Protagonistin Heleen atemlos die eigene Lebensgeschichte erzählen. Heleen befindet sich in einer Nervenklinik, ihre Zuhörerin ist eine Nachtschwester. Sie erzählt vom Aufwachsen in einer kinderreichen protestantischen Familie, ihrem gesellschaftlichen Aufstieg, den sie sowohl ihrer eigenen Schönheit als auch ihrem Sinn für Schönes zu verdanken hat. Und sie berichtet von ihrer großen Liebe Hannes und der jüngeren Schwester Lientje, um die sie sich seit dem Tod der Eltern kümmert. Mit ungeahnten Folgen, denn ihrer eigenen Eifersucht kann sie sich nicht entziehen. Selten hat mich ein Monolog so gefesselt!
Gelesen von Anke Birk