Dinge, die wir brennen sahen
"Durton. Dirt Town. Schmutz und Schmerz, nur daran würden sich manche erinnern, wenn sie an unsere Stadt dachten."
Welch außergewöhnlich packendes und atmosphärisches Debüt von Hayley Scrivenor. Diese emotionale Geschichte um das Verschwinden der zwölfjährigen Esther Bianchi hat mich tief berührt und in ihren Bann gezogen, weit über das dramatische Ende hinaus. Sprachgewaltig zeichnet die Autorin ein trostloses Bild einer staubigen, abgehängten Stadt im australischen Nirgendwo und lässt dabei ihre Bewohner, vor allem aber die Kinder des Ortes zu Wort kommen. Diese wechselnden Perspektiven bringen uns kontinuierlich der unausweichlichen Wahrheit näher. Herausragend dabei, wie ausdrucksstark und empathisch Scrivenor die Gefühle ihrer Charaktere zum Ausdruck bringt. Trauer, Verzweiflung, Wut und Hoffnung liegen hier oft so dicht beieinander und sind ebenso eindringlich spürbar, wie all das Misstrauen, die Anschuldigungen und das Unausgeprochene, welches die Bewohner von Dirt Town zunehmend belastet. Inmitten dieser klirrenden Hitze und der aufgeladenen Stimmung versucht Detective Sergeant Sarah Michaels, gemeinsam mit ihrem Partner Smithy dieses Verbrechen aufzuklären. Zu Beginn gerät ausgerechnet Steven Bianchi, Esthers Vater, in den Blickpunkt der Ermittlungen und wird anhand von Indizien festgenommen. Auch wenn das Bild der verzweifelten Mutter von ihrem Mann nach und nach mehr Risse bekommt, glaubt sie fest an seine Unschuld.
Als schließlich die Leiche der jungen Esther gefunden wird, spitz sich die Lage in Durton unter der unbarmherzigen Sonne zu...
Dieser facettenreiche Roman ist große Krimi- Kunst, zeichnet ein teils verstörendes Bild einer rückständigen Kleinstadt, in der häusliche Gewalt, raue Männer, sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch alltäglich erscheinen.
Für mich ein weiteres australisches Highlight und eine echte Entdeckung.
Gelesen von Maurice Prümm