Dunkelblum
Spätsommer 1989, in der kleinen österreichischen Stadt Dunkelblum, nahe gelegen zur ungarischen Grenze, kommen hunderte Flüchtlinge aus Ostdeutschland an. Zur gleichen Zeit setzt eine Gruppe Studenten aus Wien einen verwahrlosten jüdischen Friedhof instand, stellt ein angereister, fremder Besucher unangenehme Fragen, mischt sich eine junge Einheimische zu sehr in Vergangenes ein und ein überforderter Bürgermeister verliert die Kontrolle.
Diese Betriebsamkeiten bewegen sich allesamt um das große Geheimnis der Dunkelblumer, welches ein furchtbares Verbrechen in der Nazizeit verbirgt. Eva Menasse vermag es, das komplexe Beziehungsgeflecht der Bewohner dieser Kleinstadt, auch das der Nebenfiguren, einprägsam, oft mit viel Ironie, detailliert zu beschreiben. Zu einem eindeutigen Gesamtbild gelangt der Leser/die Leserin während der Lektüre mit einem stetig größer werdenden Wissensvorsprung.
Außerordentlich gut gelungen ist der Autorin die Darstellung des "kollektiven Schweigens", wie es sich im Laufe der Jahre verfestigt, wie die Menschen damit umgehen, wie die Wahrheit verdrängt und verändert wird. Ein spannungsreicher, komplexer, sehr lesenswerter Roman.
Gelesen für Sie von Peter Schiwek