Monde vor der Landung
Habt ihr schonmal von Peter Bender aus Worms und seiner Hohlwelt- Theorie gehört?
Nicht!? Soweit noch nichts passiert! Ich vor diesem beeindruckenden Buch auch nicht.
Dann sah ich "Monde vor der Landung" in der Verlagsvorschau bei Suhrkamp und dachte, das muss ich lesen.
Gut, dass dem so war. Denn diese Geschichte hat mich in all seinen Facetten, dem literarisch anspruchsvollen Schreibstil und der beeindruckenden,
akribisch recherchierten Lebensgeschichte eines fanatischen Utopisten sehr begeistert und in seinen Bann gezogen.
Wir steigen in die Geschichte, die in einer wohlbehüteten Familie ihren Anfang nimmt, 1920 und einem Peter Bender als junger Erwachsener ein.
Hinter ihm liegen zu diesem Zeitpunkt furchtbare Erfahrungen als Flieger im Weltkrieg und einer Verletzung in Folge eines Absturzes.
Eindringlich tauchen wir schnell in die verworrene Gedankenwelt und den Alltag ein und erleben einen fast fanatischen Bender zu den Anfängen der Gründung seiner eigenen Gemeinde. Auch das jonglieren zwischen mehreren Beziehungen scheint zu seinem Alltag zu gehören.
In einem kleinen Nebenzimmer eines Gasthauses finden die ersten Versammlungen und Reden über seine Hohlwelt- Theorie satt. Er ist der festen Überzeugung, die Menschen leben nicht AUF, sondern vielmehr IN einer Kugel. Klingt abgedreht!? Genau das ist es auch. Aber Setz versteht es meisterhaft diese verqueren Gedanken in bildhafte Worte zu fassen.
Die Gemeinde bleibt ebenso wie die Einnahmen stets überschaubar, was Bender aber zu keinem Zeitpunkt von seinem Weg abbringen mag. Auch eine Kerkerhaft infolge verteilter Flugblätter bestätigt ihn, auf dem richtigen Weg zu sein. Einzig seine unermüdliche Ehefrau Charlotte hält die Familie stets zusammen. Doch sie ist Jüdin und als in Deutschland mehr und mehr rechter Wind aufzieht, wird das Leben der Benders schnell zur Bedrohung und ist geprägt von Verfolgung und Ausgrenzung. Wird Bender dem Druck standhalten an seiner Überzeugung festzuhalten?
Dieses Buch ist sicherlich komplex, aber grandios, manchmal fast virtuos erzählt und bringt uns eine beeindruckende Geschichte näher, in der ein Mensch mit allem was er hat, an seinen Überzeugungen festhält.
Gelesen von Maurice Prümm