Morgen, morgen und wieder morgen
„Was ist ein Spiel?“, fragte Marx. „Es ist morgen, morgen und wieder morgen. Die Möglichkeit einer unendlichen Wiedergeburt und unendlichen Erlösung. Die Vorstellung, dass du, solange du weiterspielst, gewinnen kannst. Kein Verlust ist von Dauer, denn nichts ist von Dauer, niemals.“
Sadie und Sam lernen sich als Kinder kennen und schnell wird klar, dass sie die Leidenschaft für Videospiele verbindet. Sie verbringen sehr viel Zeit miteinander und werden zu besten Freunden, bis es durch einen Streit zum Kontaktabbruch kommt. Jahre später begegnen sich die beiden wieder. Sie eine angehende Spieledesignerin und talentierte Informatikstudentin und er ein verlorener, unglücklicher Harvard Student. Da beide noch das Feuer und die Liebe für Spiele besitzen, beschließen sie ein Computerspiel auf den Markt zu bringen. Mit ihrer Firma „Unfair Games“ und ihrem ersten Spiel „Ichigo“ schießen sie durch die Decke und landen einen unglaublichen Erfolg. Doch damit kehren auch Probleme, Missgunst und Eifersucht einher. Was beide einst verbunden hat, scheint sie nun auseinander zu treiben.
Mit diesem Roman hat Zevin einen vielschichtigen, einfühlsamen Roman erschaffen, welcher die Figuren so nahbar und emotional macht. Wirkt der Schreibstil oft etwas distanziert, hatte dies aber keine Auswirkung auf die Emotionen der einzelnen Charaktere. Dadurch, dass man die Protagonistinnen mehrere Jahre begleitet und Lebensabschnitte, sei es gute oder schlechte, verfolgt, fühlte es sich so an, als wäre man ein Teil dieser Gruppe.
Schon lange hat mich ein Roman nicht mehr so sehr gefesselt und emotional berührt. Das Leben bietet nicht immer ein Happy End und man hat nicht immer die Kraft einen Neustart zu wagen. Denn letztendlich sind wir Menschen und keine Videospielfiguren. Das zeigt dieser Roman, so denke ich, sehr gut. Die Industrie und Spieleentwicklung spielt hier natürlich eine sehr große Rolle, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Blickt man zwischen die Zeilen, so entdeckt man eine tolle Geschichte über Freundschaft, Verlust und vieles mehr. Auch wenn der Titel nicht klassisch als eine Liebesgeschichte gilt, so habe ich doch innerhalb den Figuren so viel Zuneigung gespürt.
Gelesen von Agnes Ouertani